16.03.05
Presseartikel BZ - Basellandschaftliche Zeitung
Kunst als Kulturaustausch
Kaskadenkondensator / Basler Künstlerinnen berichten über das Performance-Festival in Yangon in Burma.
Basel. Ein altes Sprichwort besagt, wer reise, habe etwas zu erzählen. Umgekehrt kann das Reisen bewusst als Motor zur Erzählung und zur Produktion von Kunst genutzt werden. Davon zeugen die Erlebnisse rund um die Telnahme am Performance-Festival "Performance Site Myanmar 05 Borders: withIn withOut" in Yangon, der Hauptstadt von Burma (heute: Myanmar), die die Basler Performerin Pascale Grau und die Performancegruppe GABI (Martin Blum, Simone Fuchs und Irene Maag) im Kaskadenkondensator dem Publikum vorstellten.
Zunächst wurden Fotografien, Dias und Videos sowie durch Reisebringsel ergänzte persönliche Eindrücke präsentiert. Im zweiten Teil des Abends wurden Videoaufnahmen der Performances gezeigt, die Ende Januar im Kulturzentrum NICA ("Networking & Initiatives for Culture & the Arts") stattgefunden hatten. Die Teilnahme der Schweizer Künstlerinnen an diesem Performance-Festival war durch die Unterstützung der Pro Helvetia und der Abteilungen für Kultur der beiden Kantone Baselland und Basel Stadt ermöglicht worden.
Das Festival wurde mit internationaler Beteiligung ausgetragen: Künstler und Künstlerinnen aus Finnland, Deutschland, Japan, Malaysia, Mayanmar, Singapore, Thailand, Grossbritannien, USA und der Schweiz trafen sich zu Workshops und einem zweitägigen Performance-Festival.
Die burmesischen Künstler und Künstlerinnen wagten dabei, allein durch die Teilnahme, ihre Freiheit. Die künstlerische Betätigung unter den Bedingungen einer Militärdiktatur, die Zensur das eigenen Kunstschaffens oder der jahrelange Freiheitsentzug aufgrund der künstlerischen Arbeit, wurde in den Performances der Burmesen immer wieder reflektiert – ungeachtet des Vedikts, keine politischen Arbeiten zu präsentieren.
Gegen einen solch ungebrochenen Willen zum Politischen wirkt die Fernsehsatire der Schweizer Performancegruppe GABI beinahe wie harmlose Clownerie. Dagegen gibt die Performerin Pascale Grau zu bedenken, dass die politische Prägung mancher Performances, die sie in Südostasien gesehen habe, sie stark an die Haltung der europäischen Performances der siebziger Jahre erinnere. Die Performance sei hier gerade erst daran, ihre eigen Sprache zu finden.
Das Projekt des Performance-Festivals in Yangon mit internationaler Beteiligung zeigt, dass künstlerische Zusammenarbeit, sofern sie bekannt gemacht wird, ein wichtiges Rädchen im Getriebe der Entwicklungszusammenarbeit darstellen kann.
Jana Ulmann

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